Im Regal am Brink stehen zweihundertfünfundvierzig Wodkas von achtundfünfzig Marken aus einundzwanzig Ländern. Kein Land ist darin so stark vertreten wie Polen. Das ist kein Zufall des Einkaufs: Polen brennt seit Jahrhunderten Wodka, und es ist das einzige Land, das hat festlegen lassen, wann sich eine Flasche polnischer Wodka nennen darf.
Diese Festlegung ist strenger, als die meisten vermuten, und sie gilt keineswegs für alles, was aus Polen kommt. Im Folgenden lesen Sie, was hinter der Bezeichnung Polska Wódka steckt, warum gerade Roggen dabei eine so große Rolle spielt und woher der Grashalm in der Flasche Zubrowka stammt.
Was Polska Wódka auf einem Etikett bedeutet
Polska Wódka ist eine geschützte geografische Angabe, eingetragen im europäischen Register. Nur zwei Bezeichnungen dürfen dafür verwendet werden: Polska Wódka auf Polnisch und Polish Vodka auf Englisch. Steht eine dieser beiden auf der Flasche, muss sich der Hersteller an drei Bedingungen halten.
Die erste betrifft den Rohstoff. Zulässig sind nur Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Triticale oder Kartoffeln, und diese müssen auf polnischem Staatsgebiet gewachsen sein. Die zweite betrifft den Ort: Jeder Schritt der Herstellung muss in Polen stattfinden. Die dritte betrifft das, was hinzukommen darf. Bei einem gewöhnlichen Wodka ist das nur Wasser. Bei einem aromatisierten Wodka ist das anders, denn dort gehört ein Geschmack hinein, der vom Rohstoff abweicht.
Das ist erheblich enger als die europäische Regel für Wodka im Allgemeinen. Diese lässt nahezu jeden landwirtschaftlichen Rohstoff zu, egal woher, solange das Etikett angibt, woraus der Wodka hergestellt ist, wenn es kein Getreide und keine Kartoffel ist. Über diesen Unterschied zwischen den beiden Rohstoffen haben wir bereits einen eigenen Beitrag geschrieben: Kartoffelwodka und Getreidewodka.
Roggen, das Getreide, bei dem Polen gelandet ist
Roggen ist in Polen nicht aus Nostalgie zum Hauptrohstoff geworden, sondern aus landwirtschaftlicher Notwendigkeit. Das Getreide gedeiht auf sandigem, armem und kaltem Boden, wo Weizen versagt, und das ist genau die Art von Acker, die große Teile des Landes bedeckt. Wer Roggen hat, macht daraus Schnaps.
Auf unserer eigenen Wodkaseite steht der Unterschied so, wie wir ihn im Laden beschreiben: Getreide gibt einen runden, leicht süßlichen Eindruck, Roggen etwas Pfeffer, Kartoffel eine vollere Struktur. Viel bleibt davon nach dem Brennen nicht übrig, denn Wodka wird hoch destilliert und danach mit Wasser herabgesetzt. Wenig ist allerdings nicht dasselbe wie nichts.
Damit ist auch gesagt, dass der Rohstoff nicht das Einzige ist, was zählt. Wie oft gebrannt wurde und wie oft gefiltert wurde, sagt in der Praxis weniger aus, als die Etiketten suggerieren. Das haben wir in fünffach destilliert und dreimal gefiltert untersucht.

Die Kartoffel, und warum sie mehr Arbeit macht
Neben Roggen steht die Kartoffel in der Reihe der zulässigen Grundstoffe, und Polen ist für seinen Kartoffelwodka ebenso bekannt. Praktisch gesehen ist sie die schwierigere der beiden. Eine Kartoffel besteht größtenteils aus Wasser, daher muss ein Vielfaches an Kilo durchlaufen, bevor ein Liter herauskommt. Hinzu kommt, dass die Stärkekörner erst gekocht werden müssen, bevor Hefe etwas damit anfangen kann. Das erklärt, warum die allermeisten Häuser beim Getreide bleiben.
Auf dem Etikett eines polnischen Wodkas muss übrigens nicht stehen, welche der sechs zugelassenen Feldfrüchte verwendet wurde. Die Bezeichnung garantiert nur, dass es eine davon ist und dass sie in Polen gewachsen ist. Wenn Sie es genau wissen möchten, sind die Produktseite oder der Hersteller selbst die einzige verlässliche Quelle.
Zubrowka und der Halm Büffelgras
Die bekannteste polnische Flasche ist wahrscheinlich Zubrowka, erkennbar an dem Halm, der in der Flasche schwimmt. Das ist Büffelgras, auf Polnisch turowka wonna, eine Grasart aus dem Urwald von Bialowieza im Nordosten des Landes. Zubr ist das polnische Wort für Wisent, den europäischen Bison, der in demselben Wald lebt und das Gras frisst.
Rechtlich ist dies kein gewöhnlicher Wodka, sondern ein aromatisierter. Die europäischen Vorschriften erlauben, dass ein Wodka einen Geschmack bekommt, der über den des Rohstoffs hinausgeht, sofern das mit natürlichen Aromen geschieht. Damit fällt Zubrowka in dieselbe Kategorie wie die vielen Wodkas mit Zitrone, Birne oder schwarzer Johannisbeere im Regal, auch wenn die Herkunft dieses Halms von ganz anderer Ordnung ist als ein Geschmäckchen aus dem Fläschchen.

Nicht jeder Wodka aus Polen ist polnischer Wodka
Hier liegt der Haken, den keine Onlineshop-Seite erklärt. Ein Wodka kann in Polen hergestellt sein, eine polnische Marke tragen und eine polnische Adresse auf dem Etikett haben und trotzdem kein Polska Wódka sein. Das passiert, sobald der Alkohol von außerhalb des Landes zugekauft wurde oder der Rohstoff anderswo gewachsen ist.
Es gibt nur einen Weg, es zu erkennen, und das ist die Bezeichnung selbst. Steht Polska Wódka oder Polish Vodka darauf, gelten die drei oben genannten Bedingungen. Steht dort nur „product of Poland“ oder „distilled in Poland“, sagt das etwas über die Fabrik und nichts über den Acker. Beides sind ehrliche Flaschen; sie versprechen nur nicht dasselbe.

Wo Sie anfangen können
Wer die polnische Ecke kennenlernen möchte, stellt am besten zwei Flaschen bei Zimmertemperatur nebeneinander: einen Roggenwodka und einen Kartoffelwodka. Dann zeigt sich der Unterschied dort, wo er hingehört, im Glas und nicht auf dem Etikett. Die ganze polnische Auswahl finden Sie gesammelt in der Suchmaschine der Spirituosenhandlung, wo Sie nach Land filtern können. Wenn Sie unsicher sind, kommen Sie am Brink vorbei oder rufen Sie +31 570 541 278 an.
Weiterstöbern
Das gesamte Angebot finden Sie auf unserer Seite Wodka, und alle Marken auf einen Blick im Register der Wodkamarken. Die polnischen Häuser aus diesem Artikel haben eine eigene Seite: Wyborowa, Belvedere, Zubrowka und Soplica.
Weiterlesen: Wodka, Gin und Jenever über die Trennlinien zwischen den drei Kategorien und Wodka im Gefrierfach darüber, was Kälte mit einer Flasche macht.

