Erklärung1. Oktober 20266 Min. Lesezeit

Im Cognac-Regal an der Brink stehen 144 Flaschen von 33 Häusern. Ein Stück weiter stehen 36 von 13 Häusern, und dort steht Armagnac auf dem Etikett. Beide stammen aus Frankreich, beide sind gebrannte Weine, und beide tragen VS, VSOP und XO. Trotzdem ist es nicht dasselbe, und der Unterschied liegt an Stellen, wo Sie ihn nicht gleich suchen würden.

Wer an der Theke nach dem Unterschied fragt, hört oft, Armagnac sei rauer. Das ist ein Geschmacksurteil, und damit fangen wir nicht an. Wir beginnen bei der Brennblase, der Traube und dem Fass, denn das sind die drei Dinge, die in den Vorschriften festgelegt sind.

Zwei Regionen, einige hundert Kilometer voneinander entfernt

Cognac kommt aus der Charente und der Charente-Maritime, nördlich von Bordeaux. Armagnac kommt aus der Gascogne, südlich davon. Beide Gebiete erhielten 1936 ihre Appellation d’origine contrôlée, und in beiden Fällen legt diese Appellation fest, wo die Trauben wachsen dürfen, wie gebrannt werden darf und wie lange gereift werden muss.

Cognac ist in sechs Crus aufgeteilt, von denen Grande Champagne und Petite Champagne die bekanntesten sind. Armagnac hat drei: Bas-Armagnac, Ténarèze und Haut-Armagnac. Diese Verteilung ist nicht gleichmäßig. Bas-Armagnac liefert rund 62 Prozent des Armagnacs, Ténarèze etwa 37 Prozent, und Haut-Armagnac bleibt bei ungefähr 1 Prozent. An unseren eigenen Flaschen sehen Sie das wieder: Wo eine Region angegeben ist, steht fast immer Bas-Armagnac.

Zweimal brennen oder in einem Durchgang

Hier liegt der eigentliche Unterschied, und es ist der einzige, den Sie nicht schmecken können, ohne ihn zu kennen.

Cognac muss zweimal durch eine Kupferbrennblase, den Alambic Charentais. Der erste Durchgang liefert ein trübes, schwaches Destillat; der zweite bringt es auf Stärke und trennt Vor- und Nachlauf ab. Es ist langsame Arbeit, und der Brenner ist beide Male dabei.

Armagnac durchläuft meist in einem Zug den Alambic armagnacais, eine kontinuierliche Kolonnenbrennanlage. Der Wein läuft oben hinein, der Dampf steigt durch eine Reihe von Böden, und unten kommt das Destillat heraus. Das Gesetz erlaubt höchstens fünfzehn Böden; die meisten Brenner arbeiten mit fünf bis acht. Etwa 95 Prozent des gesamten Armagnacs werden so hergestellt. Das Destillat kommt mit 52 bis 60 Prozent heraus, deutlich niedriger als beim Cognac, und je niedriger es herauskommt, desto mehr vom Wein bleibt darin erhalten.

Für beide gilt dieselbe Frist: Am 31. März nach der Ernte muss die Brennblase abgestellt sein.

Ein Alambic charentais mit kupferner Brennblase, Helm und Schwanenhals
Kupferne Brennblasen mit Helm und Schwanenhals in einer Cognac-Brennerei in der Charente, auf gemauerten Feuerstellen. In dieser Form von Brennblase muss jeder Tropfen Cognac zweimal durchlaufen, bevor er ins Fass darf. Foto: Virgi17 (CC BY-SA 3.0), via Wikimedia Commons

Die Rebsorte: Ugni Blanc, beim Armagnac auch Baco

Cognac stützt sich fast vollständig auf Ugni Blanc, ergänzt durch Folle Blanche und Colombard. Für einen Cru-Cognac müssen mindestens 90 Prozent aus diesen dreien stammen.

Armagnac darf aus zehn Rebsorten hergestellt werden, in der Praxis sind es aber vier: Ugni Blanc, Baco 22A, Folle Blanche und Colombard. Dieser Baco ist das netteste Detail der ganzen Geschichte. Er ist eine Kreuzung, kein reiner Rebstock, und in Frankreich nirgendwo sonst für eine Appellation zugelassen. Nur in der Gascogne, und nur zum Brennen. Armagnac ist damit die einzige französische Appellation, in der eine Hybride ganz selbstverständlich in die Flasche darf.

Ugni-blanc-Trauben am Rebstock in einem Weinberg der Grande Champagne bei Cognac
Ein alter Rebstock noch in vollem Laub, in einem Weinberg der Grande Champagne bei Cognac. Ugni blanc ergibt einen mageren, sauren Wein, den Sie nicht trinken möchten, und genau deshalb lässt er sich so gut brennen. Foto: Andrew Thomas (CC BY-SA 4.0), via Wikimedia Commons

Das Fass und was die Jahre bedeuten

Cognac reift in französischer Eiche aus dem Limousin oder aus Tronçais. Armagnac kommt traditionell in 400-Liter-Fässer aus lokaler gascognischer Eiche, der sogenannten Schwarzeiche, mit breiterer Maserung; auch Limousin wird dort verwendet.

Die Bezeichnungen sehen gleich aus, doch die Anforderungen gehen auseinander. Bei Cognac bedeutet VS mindestens zwei Jahre, VSOP vier, Napoléon sechs, XO zehn und XXO vierzehn. Bei Armagnac ist VS schon ab einem Jahr erlaubt, VSOP ab vier, XO und hors d’âge ab zehn. Die zehn Jahre für XO sind bei beiden erst seit April 2018 die Regel; davor reichten sechs Jahre.

Zwei Dinge kennt Armagnac, die Cognac so nicht hat. Das erste ist der Millésime: ein Armagnac aus einem einzigen Erntejahr, der mindestens zehn Jahre reifen muss. Das zweite ist Blanche Armagnac, seit 2005 eine eigene Appellation für Armagnac, der gar nicht ins Holz kommt und nach dem Brennen mindestens drei Monate in einem neutralen Tank ruht.

Altes Foto des Beton-Chais des Armagnac-Hauses Delord mit einem Lastwagen in der Öffnung
Ein altes Foto des Reifelagers aus Beton des Armagnac-Hauses Delord, mit einem Lastwagen in der Öffnung. Von Delord führen wir sechs Flaschen, von drei bis fünfundvierzig Jahren. Foto: Justine.32 (CC BY-SA 4.0), via Wikimedia Commons

Was nicht auf dem Etikett steht

Eine Altersangabe bezieht sich immer auf den jüngsten Eau-de-vie in der Flasche. Ein XO ist also mindestens zehn Jahre alt, kann aber zum großen Teil aus viel älteren Destillaten bestehen. Umgekehrt sagt Napoléon nichts über eine Marke oder einen Stil aus; es ist schlicht eine Altersklasse.

Und manchmal steht gar nichts darauf. Von unseren 36 Armagnacs tragen sieben XO auf dem Etikett, sieben VSOP, sechs VS und drei einen Jahrgang. Bei acht Flaschen ist die Angabe nicht in unseren Daten. Dann prüfen wir es an der Flasche selbst nach, bevor wir es Ihnen sagen, statt zu raten.

Warum bei uns viermal so viel Cognac steht

Armagnac ist klein. Die gesamte Region erzeugt etwa drei Millionen Flaschen im Jahr, und vieles davon stammt von Familiengütern, die selbst brennen und selbst abfüllen. Cognac ist ein Markt der Weltmarken mit Häusern, die Sie aus der Werbung kennen.

Diesen Unterschied sehen Sie im Regal: 144 Cognacs von 33 Häusern gegenüber 36 Armagnacs von 13 Häusern. Das heißt nicht, dass das eine besser ist als das andere. Es heißt, dass Sie beim Armagnac eher eine Flasche von einer Domäne und einem Jahrgang in der Hand haben und beim Cognac eher einen assemblierten Hausstil, der jedes Jahr gleich schmecken soll.

Wo Sie anfangen können

Wenn Sie den Unterschied selbst vergleichen möchten, nehmen Sie von beiden einen VSOP. Das ist dieselbe Altersklasse und damit der fairste Vergleich. Ein Janneau VSOP aus dem Webshop ist dafür ein gängiger Ausgangspunkt.

Das ganze Regal finden Sie auf den Kategorieseiten Cognac und Armagnac, und Sie können auch direkt durch alle Cognacs oder alle Armagnacs blättern. Kommen Sie nicht weiter, rufen Sie uns kurz an; wir stehen hier zwischen den Flaschen.

Weiterlesen

Quellen für die Regeln und Zahlen in diesem Artikel: die Appellationsregeln für Cognac und Armagnac, wie sie auf Wikipedia beschrieben sind (Einträge Cognac und Armagnac), und die Produktionsbeschreibung des Armagnac auf Alcademics. Die Zahlen zu Flaschen, Häusern und Angaben stammen aus unseren eigenen Geschäftsdaten.